Archiv für Oktober, 2008

Mal was anderes… Wirtschaftswahnsinn

Der derzeitigen Finanzkrise schaue ich fasziniert-entsetzt zu.

Die ZEIT schreibt heute  „Kapitalismus: Pleite der letzten Utopie“.

Die ZEIT ist ja auch gern eine, die noch bis vor kurzem die Dinge, die hier nun kritisiert werden, angefeuert hat. Dennoch enthält der Artikel einige Bemerkungen, bei denen es gut wäre, wenn sie aufgeschrieben und sicher aufbewahrt würden, da ich die Vermutung habe, dass das meiste davon spätestens nächstes Jahr vergessen sein wird.

„Es ist ein ganzes Weltbild eingestürzt, dessen Haupt- und Kernthese lautete: Der Markt heilt sich selbst. Es wäre gewiss interessant gewesen, am Beispiel dieser Krise den Test auf die Immunreaktionen des krank spekulierten Organismus zu machen, aber selbst hartgesottene Wirtschaftsliberale, sogar die Banker, die mit fallenden Kursen ihre Rendite machen, wollten am Ende auf eine Gesundung nicht warten [...].“

In der Tat, das wäre interessant. Da es sich aber hier leider nicht um ein wiederholbares, wissenschaftliches Experiment handelt, muss man wohl hoffen, dass ein Eingreifen gelingt. Dieses erfolgt natürlich durch den Staat, der noch vor kurzem als das Problem betrachtet wurde..

„Doch plötzlich steht er wieder hoch im Kurs. [...] Herablassung ist immer noch spürbar an der Art, wie die Staatsverächter dem Staat nun ihre geplatzten Milliardenschecks rüberschieben. Selbstverständlich soll er die Bankette bezahlen. Aschenputtel soll die Linsen aus der Asche klauben, Rumpelstilzchen Stroh zu Gold spinnen. Das Unmögliche überlassen clevere Hedgefondsmanager gern dem Gemeinwesen, auf dessen Verantwortung für das Gemeinwohl sie ja auch spekuliert haben.“

Ein weiterer Mythos, der laut Zeit geplatzt ist: Die USA als Vorbild; das wo wir eigentlich gesellschaftlich noch hinwollten…

„Dass das amerikanische Wirtschaftsmodell dem sozialstaatlich abgekühlten Kapitalismus vorzuziehen sei, war ein eisernes Dogma der Chicagoer Schule um den Wirtschaftswissenschaftler Milton Friedman. [...] Nun wirkt die Kernschmelze an der Wall Street wie ein Trugbrecher. Drastisch macht sie sichtbar, was in Umrissen schon lange zu sehen war, nämlich die Folgen der marktradikalen »Gegenreformation«, die sozialen Verwerfungen. Der märchenhafte Way of Life der USA ist auf Pump gebaut, die Steuersenkungspolitik nützte vor allem den Wohlhabenden in den Premiumlagen, der Graben zwischen Arm und Reich ist schwindelerregend.“

Schließlich gibt es die Feststellung, dass Ökonomie und Ökologie auch zusammen kollabieren können. Na dann, Gute Nacht. :P

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