Archiv für Norwegen

Lesemateriellene for 200 euros?! Er de skrevet ut på et gullpapir?

Ja, das war ein Witz, den ich gelesen hatte, bevor ich nach Oslo ging.

Und es wurde sehr wahr. Ich habe 1600 Kronen (200 Euro) für das Lesematerial für einen Kurs ausgeben, und es ist nicht auf Goldpapier gedruckt (wie der Witz in meiner Betreffzeile vorschlägt).

Ein anderer Kurs war nur deshalb etwas günstiger, weil ich nicht das ganze aus Readern bestehende Lesematerial, sondern ein Buch komplett gekauft habe (statt die doch tatsächlich teureren Auszüge daraus zu kaufen, die als Reader erhältlich waren), und einige Bücher aus der Bibliothek geliehen habe, die natürlich viele Leute haben wollten. Leider waren nur einige der zu lesenden Artikel tatsächlich in den 150 Euro teuren Readern…

Dozent: Da ist was schiefgelaufen.

Man sollte sich wohl frühzeitig Bücher aus der Bibliothek sichern und genau schauen, welche Artikel man lesen soll und welche davon auch wirklich in dem Lesematerial sind…

Kommentar schreiben

Studieren in Norwegen und in Deutschland

In bestimmten Aspekten ist Studieren in Norwegen und in Deutschland extrem unterschiedlich. Ich habe an zwei Universitäten in Deutschland studiert und an beiden kommt es häufig vor, dass Seminare komplett oder zu einem großen Teil durch Referate der Studierenden getragen werden. In manchen Fällen kann das so extrem sein, dass der Dozent am Anfang gerade mal noch „Hallo. Heute haben wir ein Referat zum Thema…“ sagt. Und tschüss am Ende.

Natürlich ist es gut, wenn die Studenten eine Gelegenheit haben, selbständig zu arbeiten und ihre Arbeit zu präsentieren, aber es kann auch ziemlich frustrierend sein, wenn die Seminare hauptsächlich darin bestehen, dass man 90 Minuten Referaten zuhört, und man nur wenig (wenn überhaupt etwas) vom Dozenten hört. Das ist typisch für die Sozialwissenschaften, und ich vermute, für die Geisteswissenschaften ebenso. Ich hatte Wirtschaftswissenschaften als Nebenfach während meines BA-Studiums, und in diesen Veranstaltungen war es nicht üblich.

In Norwegen dagegen ist es der Dozent, der den ganzen Kurs hält und die Studenten sagen kaum etwas. Ich hatte einen Politikwissenschaftskurs, der einige sehr kontroverse Themen behandelte, aber es gab kaum eine Diskussion über diese. Stattdessen erzählten uns die zwei Dozenten über die kontroversen Fragen, aber eröffneten kaum einmal eine Diskussion. Die wenigen Male, die sie es taten, gab es sehr wenig Beteiligung. Das passiert natürlich manchmal auch in Seminaren in Deutschland, aber der fast vollständige Mangel an Diskussionen in Oslo hat mich trotzdem überrascht.

In dem Peace and Conflict Studies Seminar, das ich belegte, war es ähnlich, aber die Themen bestanden in dem Kurs mehr aus Fakten, Theorien und Berechnungen (ja, Mathe in Peace and Conflict Studies :D ), so dass ich nicht so einen Mangel an Diskussion gespürt habe wie in dem anderen Kurs.

Die positive Seite des Mangels an studentischen Input und Referaten war, dass man sehr viel Input von den Dozenten bekam, was sehr spürbar war im Vergleich zu Deutschland.

Im Norwegischen gibt es einen Ausdruck für „studieren“, den man mit „in den Lesesaal gehen“ übersetzen kann, und das passt sehr gut, denn die Leseliste war riesig im Vergleich zu dem, was man aus Deutschland gewohnt ist. Daher hatte ich am Ende des Semesters schon das Gefühl, den Kopf sehr voll zu haben, sowohl durch den Input der Dozenten als auch durch das extensive Lesen.

Es war aber merkwürdig, so viele Artikel zu lesen, die man hätte diskutieren können, es dann aber fast nie zu einer Diskussion kam! Ich denke, es sollte wirklich irgendwo ein gutes Mittelmaß zwischen dem norwegischen Extrem (Dozent redet die ganze Zeit) und dem deutschen Extrem (Studenten reden die ganze Zeit) geben. :P

Kommentare (1)

Sprache am ersten und letzten Tag

Die Sprache ist schon eine interessante Sache, mit der man sich in einem anderen Land auseinandersetzen muss. Ich hatte etwa acht Monate Norwegisch gelernt, bevor ich nach Norwegen ging.

Während meiner 24-stündigen Zugfahrt nach Oslo (via Leipzig, Hamburg, Kopenhagen und Malmö), habe ich gleich angenehmerweise bei der Lektüre der im Zug von Hamburg nach Kopenhagen erhältlichen dänischen Zeitungen bemerkt, dass Dänisch Norwegisch wirklich sehr ähnlich ist (im Rückblick wirklich keine große Feststellung, da sich Norwegisch aus dem Dänischen entwickelt hat).

Mein erster Tag in Oslo war ein heißer Tag Anfang August (auch wenn “heißer Tag” und “Oslo” recht widersprüchlich klingen ;) ). Wie normalerweise wenn ich irgendwo neu bin, lief ich auch in Oslo im Kreis (scheinbar wieder und wieder), unwillens den öffentlichen Nahverkehr zu benutzen, zum einen, da es einen hindert, die Gegend genau kennenzulernen, wenn man nur wenig von Bus oder Straßenbahn (oder gar U-Bahn) sieht, und zum anderen, da die Fahrkarten in Oslo sehr teuer sind und ich noch kein Studententicket hatte (was auch nicht gerade billig, aber immerhin bedeutend günstiger als der Normalpreis ist).

Schließlich hatte ich ziemlichen Durst und wanderte daher in den nächsten Supermarkt, wo zuerst noch kein sprachliches Problem auftrat, da Supermärkte nun mal ziemlich selbsterklärend sind. In Norwegen gibt es sogar eine Marke von Produkten, die Einwanderer als Zielgruppe zu haben scheint, denn die Marke ist normalerweise die günstigste Wahl und auf der Packung ist immer ein Bild mit Menschen, die das Produkt benutzen: auf der Zahnpasta ist ein Bild von jemanden, der Zähne putzt, auf dem Haarshampoo von jemanden, der sich die Haare wäscht, auf der Schokolade von jemanden, der Schokolade, auf den Spaghetti von jemanden, der Spaghetti isst. Es hat mich schließlich schon fast etwas genervt, auf den Bildern immer gezeigt zu bekommen, was ich denn mit dem Produkt machen soll, aber ich glaube, es ist wohl sinnvoll, wenn man wirklich kein Norwegisch lesen und daher von der Beschreibung auf der Packung nicht unterscheiden kann, ob es sich um etwas zu Essen oder ein Reinigungsmittel handelt.

Mein erstes Kommunikationsproblem kam auf, als die Kassiererin den Ein-Wort-Satz „Pose?“ [pu:se] auf mich warf. Norweger sind kommunikationsmäßig sowieso etwas zurückhaltend und dieser Ein-Wort-Satz gab mir nicht genügend Anhaltspunkte, was die Frau von mir wollte, da ich nicht wusste, was “pose” bedeutet. Wenn sie mich gefragt hätte „Wollen Sie eine [pose]?“ wären meine Chancen etwas besser gewesen. ;) Wie es aber war, habe ich sie nicht verstanden, bis sie schließlich eine Plastiktüte anhob. Von da an hatte ich immer ein “Nei, takk.” bereit, da ich lieber meinen Rucksack benutze.

Mein erster Tag in Oslo war der heißeste. Der kälteste Tag war der letzte Tag. Minus 20 Grad Celsius und Nebel sorgten dafür, dass ich noch fünf Stunden länger in Oslo war als geplant, da der Flug eben soviel Verspätung hatte. Schon bevor ich wusste, dass ich so lange würde warten müssen, überraschte mich der konsequente Gebrauch von Norwegisch auf dem Osloer Flughafen. Die Norweger sprechen ja generell sehr gerne Englisch, aber gerade auf dem Flughafen, wo man ja internationale Passagiere erwarten kann, wurde man immer gleich auf Norwegisch angesprochen. Ich habe recht viel Norwegisch gelernt (aufgrund der geringen Kommunikationsfreude der Norweger und der Vorliebe für Englisch hauptsächlich durch den Norwegischkurs mit 10 Stunden pro Woche an der Uni in Oslo), aber ich war trotzdem recht überrumpelt, als man mir an der Sicherheitskontrolle sagte, „Du må ta ut [pe-se-en]!” Ich verstand, dass ich etwas herausnehmen sollte, aber es hat noch etwas gedauert, bis mir aufging, dass [pe-se-en] “pc-en”, oder besser gesagt, meinen Laptop meinte.

Der Flughafen scheint sich auch von der Deutschen Bahn eine Scheibe abgeschnitten zu haben. Die tendiert nämlich dazu, Ansagen auf Deutsch zu machen, und dann nur eine kurze Information auf Englisch hinzuzufügen, die relevante, vorher auf Deutsch erwähnte Punkte, auslässt. Während des langen Wartens auf dem Flughafen in Oslo hörte ich immer wieder wie detaillierte Informationen auf Norwegisch durchgesagt wurden, aber nur spärliche Informationen auf Englisch folgten. Einmal passierte es sogar, dass eine detaillierte Ansage auf Norwegisch kam, und die nachfolgende englische Durchsage nur aus “We have no new information for you right now. We will come back to you.” bestand…

 

Kommentar schreiben