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Sprache am ersten und letzten Tag

Die Sprache ist schon eine interessante Sache, mit der man sich in einem anderen Land auseinandersetzen muss. Ich hatte etwa acht Monate Norwegisch gelernt, bevor ich nach Norwegen ging.

Während meiner 24-stündigen Zugfahrt nach Oslo (via Leipzig, Hamburg, Kopenhagen und Malmö), habe ich gleich angenehmerweise bei der Lektüre der im Zug von Hamburg nach Kopenhagen erhältlichen dänischen Zeitungen bemerkt, dass Dänisch Norwegisch wirklich sehr ähnlich ist (im Rückblick wirklich keine große Feststellung, da sich Norwegisch aus dem Dänischen entwickelt hat).

Mein erster Tag in Oslo war ein heißer Tag Anfang August (auch wenn “heißer Tag” und “Oslo” recht widersprüchlich klingen ;) ). Wie normalerweise wenn ich irgendwo neu bin, lief ich auch in Oslo im Kreis (scheinbar wieder und wieder), unwillens den öffentlichen Nahverkehr zu benutzen, zum einen, da es einen hindert, die Gegend genau kennenzulernen, wenn man nur wenig von Bus oder Straßenbahn (oder gar U-Bahn) sieht, und zum anderen, da die Fahrkarten in Oslo sehr teuer sind und ich noch kein Studententicket hatte (was auch nicht gerade billig, aber immerhin bedeutend günstiger als der Normalpreis ist).

Schließlich hatte ich ziemlichen Durst und wanderte daher in den nächsten Supermarkt, wo zuerst noch kein sprachliches Problem auftrat, da Supermärkte nun mal ziemlich selbsterklärend sind. In Norwegen gibt es sogar eine Marke von Produkten, die Einwanderer als Zielgruppe zu haben scheint, denn die Marke ist normalerweise die günstigste Wahl und auf der Packung ist immer ein Bild mit Menschen, die das Produkt benutzen: auf der Zahnpasta ist ein Bild von jemanden, der Zähne putzt, auf dem Haarshampoo von jemanden, der sich die Haare wäscht, auf der Schokolade von jemanden, der Schokolade, auf den Spaghetti von jemanden, der Spaghetti isst. Es hat mich schließlich schon fast etwas genervt, auf den Bildern immer gezeigt zu bekommen, was ich denn mit dem Produkt machen soll, aber ich glaube, es ist wohl sinnvoll, wenn man wirklich kein Norwegisch lesen und daher von der Beschreibung auf der Packung nicht unterscheiden kann, ob es sich um etwas zu Essen oder ein Reinigungsmittel handelt.

Mein erstes Kommunikationsproblem kam auf, als die Kassiererin den Ein-Wort-Satz „Pose?“ [pu:se] auf mich warf. Norweger sind kommunikationsmäßig sowieso etwas zurückhaltend und dieser Ein-Wort-Satz gab mir nicht genügend Anhaltspunkte, was die Frau von mir wollte, da ich nicht wusste, was “pose” bedeutet. Wenn sie mich gefragt hätte „Wollen Sie eine [pose]?“ wären meine Chancen etwas besser gewesen. ;) Wie es aber war, habe ich sie nicht verstanden, bis sie schließlich eine Plastiktüte anhob. Von da an hatte ich immer ein “Nei, takk.” bereit, da ich lieber meinen Rucksack benutze.

Mein erster Tag in Oslo war der heißeste. Der kälteste Tag war der letzte Tag. Minus 20 Grad Celsius und Nebel sorgten dafür, dass ich noch fünf Stunden länger in Oslo war als geplant, da der Flug eben soviel Verspätung hatte. Schon bevor ich wusste, dass ich so lange würde warten müssen, überraschte mich der konsequente Gebrauch von Norwegisch auf dem Osloer Flughafen. Die Norweger sprechen ja generell sehr gerne Englisch, aber gerade auf dem Flughafen, wo man ja internationale Passagiere erwarten kann, wurde man immer gleich auf Norwegisch angesprochen. Ich habe recht viel Norwegisch gelernt (aufgrund der geringen Kommunikationsfreude der Norweger und der Vorliebe für Englisch hauptsächlich durch den Norwegischkurs mit 10 Stunden pro Woche an der Uni in Oslo), aber ich war trotzdem recht überrumpelt, als man mir an der Sicherheitskontrolle sagte, „Du må ta ut [pe-se-en]!” Ich verstand, dass ich etwas herausnehmen sollte, aber es hat noch etwas gedauert, bis mir aufging, dass [pe-se-en] “pc-en”, oder besser gesagt, meinen Laptop meinte.

Der Flughafen scheint sich auch von der Deutschen Bahn eine Scheibe abgeschnitten zu haben. Die tendiert nämlich dazu, Ansagen auf Deutsch zu machen, und dann nur eine kurze Information auf Englisch hinzuzufügen, die relevante, vorher auf Deutsch erwähnte Punkte, auslässt. Während des langen Wartens auf dem Flughafen in Oslo hörte ich immer wieder wie detaillierte Informationen auf Norwegisch durchgesagt wurden, aber nur spärliche Informationen auf Englisch folgten. Einmal passierte es sogar, dass eine detaillierte Ansage auf Norwegisch kam, und die nachfolgende englische Durchsage nur aus “We have no new information for you right now. We will come back to you.” bestand…

 

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